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Angefangen hat alles am 20. August 1949




WWDler im August 1949

Um von Anfang an zu erzählen, muß man noch etwas weiter als 50 Jahre zurückgehen.
Schon vor dem Krieg besaß die Familie Klönter am linken Rheinufer unterhalb der Oberkasseler Brücke ein schwimmendes Bootshaus. Wer auf dem Rhein paddeln wollte, mietete sich in solch einem Bootsplatz einen Liegeplatz für sein Boot.


Während des Krieges kam die Paddelei zum Erliegen. Fast alle jungen Männer wurden Soldat, Flakhelfer und ähnliches. Außerdem gab es ständig Bombenangriffe. Das Bootshaus wurde zur Sicherheit in den Löricker Hafen verlegt. Die Familie Klönter wurde nach Thüringen evakuiert.

Nach der Rückkehr 1945 wurde das Bootshaus, das den Krieg zwar ausgeplündert, aber sonst unbeschadet überstanden hatte, in den Sporthafen am Robert-Lehr-Ufer geschleppt. Da die Familie Klönter, Heinrich, Lenchen und Tochter Hannelore, keine andere Bleibe hatte, begann der Heini, wie er überall genannt wurde, mit Hilfe von ein paar Kameraden, unter anderen Willi Müller und Karl-Heinz Speckmann, um das alte Bootshaus herum ein neues größeres zu bauen.

Das hört sich einfach an, doch 1945 gab es keine Baumärkte, in denen man bei Bedarf alles kaufen konnte. Schwimmer wurden von einem zerstörten Bootshaus organisiert. Für den Holzbedarf mußten eine Pionierbrücke der Engländer und ein paar Bauflöße von der Baustelle an den Pfeilern der Oberkasseler Brücke herhalten. Nägel wurden mühsam gerade geklopft und dann neu verzinkt. Die elektrischen Leitungen stammten aus einem gestrandeten Marineschiff und sollen, dem Erzählen nach, aus Aluminium gewesen sein.

So entstand nach und nach das grün-weiße Bootshaus Hannelore, das viele von uns noch in Erinnerung haben und das uns jahrelang eine Heimat gewesen ist.


Der Wasser-Wanderer Düsseldorf e.V. war der erste Düsseldorfer Kanuclub, der nach dem Krieg gegründet wurde. Ziemlich bald hatten die WWD'ler um die 30 Mitglieder.


Der Monatsbeitrag betrug zunächst 0,50 DM, war also erschwinglich. Ein Boot besaß man selbst, der Liegeplatz wurde beim Heini gemietet. Der Verein hatte zunächst kein Eigentum, dadurch aber auch kaum Kosten und es gab nur wenige Arbeitsstunden zu leisten. Viele fanden das damals gar nicht so unpraktisch.


So nach und nach kehrten die früheren Paddler aus dem Krieg und der Gefangenschaft zurück. Alle zog es zum Rhein, denn die Stadt lag in Trümmern. Mit Boot und Zelt war es den Sommer über auszuhalten. Gefahren wurde mit allem, was den Krieg überlebt hatte und noch schwimmfähig war. Es gab schwere Holzboote in Kraweel- oder Klinkerbauweise, sogenannte halbstarre Boote, eine Holzkonstruktion, mit Nessel bespannt und mit Ölfarbe bestrichen (äußerst empfindlich gegen Grundberührung). Einige wenige waren auch im Besitz von Faltbooten.

Allmählich wollte man auch andere Flüsse kennenlernen und mehr von der Welt sehen. Es gab den Wunsch, Touren zu organisieren, und so beschloß man im August 1949 einen Kanu-Verein zu gründen und dem Deutschen Kanu-Verband beizutreten. So fand am 20. August 1949 im Bootshaus Hannelore die Gründungsversammlung der Wasser-Wanderer Düsseldorf statt, über die folgendes Gründungsprotokoll berichtet:


Unter § 1 der Satzung heißt es, der Verein führt den Namen Wasser-Wanderer Düsseldorf e. V.. Der Verein verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke, insbesondere durch Teilnahme an sportlichen Veranstaltungen, Durchführung von Wanderfahrten, Fahrten und Ausbildungslagern sowie insbesondere die Erziehung des jungen Sportlers zu sportlichem und kameradschaftlichem Verhalten.



Die ersten Jahre

Paddeltouren wurden für Wochenenden und Urlaub organisiert.
Noch heute berichten Kameraden von einer sagenhaften Fahrt auf der Nister und Sieg,
die kein Ende nehmen wollte, weil die Etappen viel zu lang gewählt waren. Mancher mußte noch im Dunkeln wieder eingesammelt und per Handkarren zum Quartier gefahren werden.

Es war nicht immer einfach, Transportmittel zu finden. Eigene Autos gab es zunächst gar nicht. Man fuhr mit Faltboot und Eisenbahn.


Sehr beliebt war es auch, Schleppkähne auf dem Rhein anzusteuern und sich von ihnen samt Boot und Gepäck mehrere Tage mitnehmen zulassen. Gezeltet wurde auf der Kohlenluke.

Für eine Wochenendfahrt hatte man einen LKW organisiert, Zelte, Boote und Paddler wurden auf der Ladefläche verstaut. Leider hatte den LKW vorher Zement geladen, entsprechend sahen Kleidung und Ausrüstung nachher aus.


1952 wurde bereits ein großer Bootsanhänger angeschafft. Von der Firma Pannebecker wurde ein Bus gechartert, der in der Lage war, diesen Hänger zu ziehen. So konnte man mit 49 Paddlern auf Tour zu gehen.



Von den Sechzigern bis heute

Die sechziger Jahre brachten eine Menge Veränderungen.
Zunächst erschienen die ersten Polyesterboote auf der Bildfläche.
Sie waren pflegeleichter und weniger anfällig gegen Grundberührung als Faltboote.
Auch konnte die Form dem jeweiligen Zweck (Wildwasser oder Geradeausfahren) besser angepaßt werden. Außerdem waren sie billiger in der Herstellung. Was blieb, war das leidige Transportproblem. Zusammenfalten ging ja nicht.

Also wurde bei den WWDlern ein gebrauchter VW-Bus und ein Anhänger für 8 Boote angeschafft. Dieses Gespann konnte jahrelang über einen Fahrpreis von 5 Pfennig pro Kilometer und pro Person finanziert werden. Erstmals wurden auch vereinseigene Boote angeschafft.


Junge Wettkampfsportler nahmen ab 1964 an Abfahrtsrennen und Slalomwettkämpfen teil.
Durch Nachwuchs aus den eigenen Reihen (Mitgliederkinder, Cousins u.s.w.) hatte man bald auch eine erfolgreiche Jugendmannschaft, die sogenannten Tintemänner, zu denen Jürgen Gerlach und auch Dieter Angly gehörten. Der Erfolg dieser Mannschaft war der Verdienst der beiden Trainer, Bert Linden und Jupp Steffen. Leider fiel die Gruppe nach dem Wechsel von Jürgen Gerlach zu einem anderen Verein auseinander und der Wettkampfbetrieb wurde 1967 wieder eingestellt.

Was blieb, war ein regelmäßiges Kanutraining für Kinder und Jugendliche, das im Prinzip bis heute beibehalten wird.


Noch eine Veränderung kam hinzu: Bootshausbesitzer Heini Klönter setzte sich 1966 zur Ruhe und verkaufte das Bootshaus. Bis 1994 wechselte das Bootshaus dreimal den Besitzer und wurde nach einem Hochwasserschaden endgültig aufgegeben.


Nachdem wir für zwei Jahre dankenswerterweise Aufnahme bei den Freien-Wasserfahrern in Volmerswerth fanden, fanden wir auf dem Gelände des Freibades Lörick für eine neue Heimat.


Im Mai 2013 mussten wir unser über viele Jahre gerne genutztes Bootshaus aufgeben, da das gesamte Gelände des Löricker Freibades umstrukturiert werden soll. Unser Verein ist jetzt einige Meter vom Gelände des Freibades entfernt im Bootshaus des Kanu- und Yachtclub Düsseldorf e.V. (KYD) untergekommen.